Fotorechte: Klemens Wihlidal
Die Umgestaltung wurde nach einem Foto von AndreasPraefcke, vorgenommen
(Creative Commons CC-BY 3.0)
Skizze Klemens Wihlidal
Karl Lueger wird gekippt
Der Gewinner der Ausschreibung zur Umgestaltung des Lueger-Denkmals in ein Mahnmal gegen Antisemitismus und Rassismus schlägt vor, das Denkmal in eine dauerhafte Schieflage zu versetzen.
Die Jury hat aus 220 internationalen Einreichungen den Entwurf des Wiener Künstlers Klemens Wihlidal ausgewählt. Er sieht vor, dass die Statue und ein Teil des Sockels um 3,5 Grad nach rechts geneigt werden.
Die Jury begründet ihre Entscheidung damit, dass der Entwurf die Unsicherheit der Stadt Wien im Umgang mit Karl Lueger verdeutliche und den aktuellen Stand der Diskussion zeige. Sowohl die Person Karl Luegers als auch ihre Rezeption befinden sich in einer Schieflage. Durch den Eingriff wird der vertikale Charakter des Monuments gebrochen und der Mythos Luegers als Vaterfigur Wiens hinterfragt. Die Schieflage verweist auf den problematischen Umgang der Stadt Wien mit ihrer antisemitischen Vergangenheit.
Die Umgestaltung, so Wihlidal, „führt eine Irritation bei den BetrachterInnen herbei, das Monument gerät in Unruhe, es soll die Frage evoziert werden: Wie geht es jetzt mit dem Denkmal weiter? Entgegen eines Denkmalsturzes, wird in dem Moment, wo die Statue nur gekippt wird, das Denkmal zum Mahnmal.“
Der Arbeitskreis und seine UnterstützerInnen fordern nun die Umsetzung. In den nächsten Wochen wird der Entwurf der Stadt Wien im Wiener Rathaus übergeben. Der diesbezügliche Antrag im Wiener Gemeinderat kann daher von den Verantwortlichen noch vor dem Sommer eingebracht werden.
Alle anderen eingereichten Entwürfe werden in den kommenden Wochen in Absprache mit den KünstlerInnen für eine Präsentation auf der Website (www.luegerplatz.com) aufbereitet. Zudem sind eine Publikation und eine Ausstellung für Frühjahr 2011 geplant.
Der Jury gehörten folgende Personen an:
Aleida Assmann, Literatur- und Kulturwissenschaftlerin, Universität Konstanz
Gerald Bast, Rektor der Universität für angewandte Kunst Wien
Eva Blimlinger, Historikerin, Universität für angewandte Kunst Wien
Felicitas Heimann-Jelinek, Chef-Kuratorin Jüdisches Museum Wien
Johanna Kandl, Künstlerin, Universität für Angewandte Kunst Wien
Lisl Ponger, Künstlerin
Doron Rabinovici, Schriftsteller, Essayist und Historiker
Martin Krenn und VertreterInnen des Arbeitskreises (eine Stimme)
Zur Person Klemens Wihlidal:
Klemens Wihlidal wurde 1982 in Wien geboren, studierte von 2001 bis 2002 Gitarre am Konservatorium Wien und von 2003 bis 2010 Medienübergreifende Kunst an der Universität für angewandte Kunst Wien.

